Himmelstempel

Der Himmelstempel (天壇 / 天坛), auch als Himmelsaltar bezeichnet, ist ein historisches Denkmal in der chinesischen Hauptstadt. Der Tempel liegt im historischen Stadtteil Xuanwu im Süden von Beijing und ist neben der Verbotenen Stadt eine der Hauptsehenswürdigkeiten bei Touristen.

Die Tempelanlage wurde während der Yongle-Herrschaft zwischen 1406 und 1420 errichtet und gilt als die Vollendung der traditionellen chinesischen Architektur. Der Grundriss des Tempels symbolisiert den chinesischen Glauben, dass die Erde quadratisch und der Himmel rund ist. Der Ursprung dieses Tempels geht auf das alte China zurück. Damals galt der Kaiser als der “Sohn des Himmels”, der die Verbindung mit der himmlischen Autorität herstellte, um die gute Ordnung auf der Erde zu erhalten. Um seinen Respekt im Himmel zu zeigen, waren daher Opferzeremonien sehr wichtig.

Während der Herrschaft des Jiajing-Kaisers im 16. Jahrhundert wurde die Anlage erweitert und in Himmelstempel umbenannt. Jiajing baute auch drei weitere prominente Tempel in Peking, den Sonnentempel (日壇) im Osten, den Erdtempel (地壇) im Norden und den Mondtempel (月壇) im Westen. Der Himmelstempel wurde im 18. Jahrhundert unter dem Qianlong-Kaiser renoviert. Damals reichte der Staatshaushalt nicht aus, sodass dies die letzte große Renovierung der Tempelanlage in der Kaiserzeit war.

Während des zweiten Opiumkrieges wurde der Tempel von der anglo-französischen Allianz besetzt. Während des Boxeraufstandes im Jahr 1900 besetzte die Allianz der acht Nationen den Tempelkomplex und machte ihn zum temporären Kommando der Streitkräfte in Peking, das ein Jahr lang dauerte. Die Besetzung entweihte den Tempel und führte zu schweren Schäden an Gebäudekomplex und Garten. Es wurde auch von Raubüberfällen auf Tempelartefakte durch die Allianz berichtet. Mit dem Untergang der Qing wurde der Tempelkomplex nicht mehr verwaltet. Die Vernachlässigung des Tempelkomplexes führte in den folgenden Jahren zum Einsturz mehrerer Hallen.[2]

Im Jahr 1914 führte Yuan Shikai, der damalige Präsident der Republik China, eine Ming-Gebetszeremonie im Tempel durch, als Teil der Bemühungen, sich selbst zum Kaiser von China erklären zu lassen. Im Jahr 1918 wurde der Tempel in einen Park umgewandelt und zum ersten Mal für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Der Himmelstempel wurde 1998 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Zusammen mit dem Tempel der Erde (地壇/地坛) im Norden der Verbotenen Stadt, dem Tempel der Sonne (月壇/日坛) im Osten und dem Tempel des Mondes (月壇/月坛)) im Westen von Peking, ist der Tempel des Himmels einer der vier großen Tempelanlage im Stadtgebiet.

Foto: Nattee Chalermtiragool / Shutterstock.com
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