Guilin

Guilin liegt im Südosten von China an den Ufern des Li Jiang (Li-Fluss). Der Name bedeutet übersetzt „Stadt des Duftblütenwaldes“ und bezieht sich auf die vielen Osmanthus-Bäume in der Stadt.

Besonders berühmt ist Guilin aber wegen seiner Lage in einer beeindruckenden und malerischen Landschaft aus Karstbergen und unzähligen Grotten. Die Stadt ist von bizarren Felsformationen umgeben, die sich mit denen der Halong-Bucht in Vietnam oder mit dem James-Bond-Felsen bei Phuket vergleichen lassen. Neben dem Li-Fluss gibt es mehrere Seitenarme, Nebenflüsse und Kanäle durch die Stadt.

  • Der Elefantenrüsselberg an der Mündung des Yang-jiang in den Li-jiang ist ein Wahrzeichen von Guilin. Auf seiner Kuppe steht eine Pagode.
  • Die Schilfrohrflötenhöhle ist ca. 5 km nordwestlich der Stadt. Die wirklich sehenswerte Tropfsteinhöhle wird nach dem Geschmack der einheimischen Bevölkerung bunt beleuchtet. Das in der Umgebung der Höhle wachsende Schilfrohr wird von eifrigen Händlern lautstark vermarktet.
  • Entlang des Li-Flusses bis Yangshuo gibt es unzählige Karstkegel. Der Li-Fluss führt nur relativ wenig Wasser, die ca. 40 km lange Fahrt beginnt bei Yangdi südlich der Stadt. Im Abstand von wenigen hundert Metern reihen sich die Touristenboote wie an einer Schnur den Fluss entlang. Neben der sehenswerten wird bei den meisten Schiffen an Bord auch für das leibliche Wohl gesorgt. In Yangshuo gibt es eine Marktstraße, von hier aus kann man per Bus oder Fahrrad in das Dörfchen Xingping weiterfahren.

Die Landschaft um Guilin entstand vor 200 Millionen Jahren, als das Urmittelmeer durch tektonische Erhebung zurückwich und die übrig bleibenden Berge langsam erodierten.

Die Geschichte Guilins lässt sich etwa 2.100 Jahre zurückverfolgen. In den Quellen wird die Region zum ersten Mal in der Qin-Dynastie erwähnt. Um den Nachschub der Truppen zu gewährleisten, ließ Qin Shihuangdi einen Kanal vom Jangtsekiang in die Gegend von Guilin bauen. Der 34 Kilometer lange Lingqu-Kanal verband den Xiang-Fluss mit dem Li-Fluss.

Eine Verwaltungseinheit an der Stelle des heutigen Guilin wird zum ersten Mal im Jahr 111 v. Chr., im Jahr 6 der Herrschaft des Kaisers Wu der Han-Dynastie, erwähnt. Von der Song- bis zur Qing-Dynastie war Guilin das kulturelle Zentrum von Guangxi. Nach der Niederwerfung der Ming durch die Mandschu ließ sich Zhu Youlang (朱由榔) als Yongli-Kaiser (永曆, Kaiser der immerwährenden Erfahrung) der südlichen Ming-Dynastie in Guilin nieder, bevor er mit seinem Hofstaat nach Burma floh.

1914 wurde der Sitz der Provinzregierung von Guilin nach Nanning verlegt. 1936 zog sich die Kuomintang-Regierung der Republik China unter Chiang Kai-shek nach der Eroberung von Nanjing durch das Kaiserreich Japan nach Guilin zurück. Bis zum Jahre 1938 war die Stadt Hauptstadt Chinas. Die Bevölkerung schwoll auf ca. eine Million Einwohner an. 1938 zog die Regierung auf der Flucht vor den japanischen Truppen in das weiter nordwestlich gelegene Chongqing um. 1944 konnten die Japaner Guilin erobern, nachdem durch Bombardierungen die alte Bausubstanz fast vollständig zerstört worden war.

Etwa 50 km südlich von Guilin liegt die Kleinstadt Yangshuo, zu der auch Flussfahrten auf speziellen Schiffen mit sehr geringem Tiefgang angeboten werden. In der Hauptreisezeit machen täglich bis zu etwa 10.000 Touristen die gut vierstündige Fahrt. Die Fahrt und die Umgebung von Yangshuo bieten eine ähnliche Berglandschaft wie Guilin selbst, allerdings noch eindrucksvoller. Ebenso ist es auch möglich, mit dem Bus bis Yangshuo zu fahren und von dort aus an einer verkürzten Flussfahrt (ca. 2 Stunden) teilzunehmen. Hier werden alle sehenswerten Bereiche direkt mit dem Schiff angefahren.

Foto: aphotostory / Shutterstock.com

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